Die Dordrechter Lehrsätze
Weitere Lehrstücke und Bekenntnisschriften aus der
Tradition der reformierten Kirchen:
Heidelberger
Katechismus (alter Text)
Die
Dordrechter Lehrsätze aus den Niederlanden
Das
Bekenntnis der anglikanischen Kirche|
Die
Glaubensbekenntnisse aus der aktuellen reformierten Liturgie
Die Dordrechter Lehrsätze
Erstes Lehrstück: Von der göttlichen Erwählung
Zweites Lehrstück: Vom Tode Christi und der Erlösung des
Menschen durch ihn
Drittes und viertes Lehrstück: Von der Verderbnis des
Menschen, seiner Bekehrung zu Gott
und der Art und Weise
derselben
Fünftes Lehrstück: Von der Beharrlichkeit der
Heiligen
Die fünf Artikel gegen die
Remonstranten oder das Urteil der nationalen Synode der reformierten
Kirchen in den Niederlanden, gehalten zu Dordrecht in den Jahren
1618 und 1619, über die bekannten fünf Hauptstücke der Lehre, über
die in den reformierten Kirchen der vereinigten Niederlande
Uneinigkeit entstanden war.
Erstes Lehrstück
Von
der göttlichen Erwählung und Verwerfung
Artikel 1
Da alle
Menschen in Adam gesündigt haben und des Fluches und ewigen Todes
schuldig geworden sind, wurde Gott niemandem Unrecht getan haben,
wenn er das ganze Menschengeschlecht in Sünde und Fluch hätte lassen
und wegen der Sünde verdammen wollen, nach diesen Aussprüchen des
Apostels: Die ganze Welt ist vor Gott schuldig. Sie sind allzumal
Sünder und mangeln des Ruhmes, den die bei Gott haben sollten (Röm.
3, 19.23). Und: Der Tod ist der Sünde Sold (Röm. 6,23).
Artikel 2
Aber
darin ist erschienen die Liebe Gottes unter uns, daß er seinen
eingeborenen Sohn in die Welt gesandt hat, auf daß alle, die an ihn
glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben
(1.Joh. 4,9; Joh. 3,16).
Artikel 3
Damit
aber die Menschen zum Glauben gebracht werden, sendet Gott in seiner
Güte Verkündiger dieser frohen Botschaft, zu wem er will und wann er
will, durch deren Dienst die Menschen zur Bekehrung und zum Glauben
an Christus, den Gekreuzigten, gerufen werden: Denn wie sollen sie
an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie aber
hören ohne Prediger? Wie sollen sie aber predigen, wenn sie nicht
gesandt werden (Röm. 10, 14.15)?
Artikel 4
Über denen, die an dieses Evangelium
nicht glauben, bleibt der Zorn Gottes. Diejenigen aber, die es
annehmen und sich zu dem Heiland Jesus mit einem wahren und
lebendigen Glauben bekennen, werden durch ihn vom Zorn Gottes und
vom Verderben errettet und mit dem ewigen Leben beschenkt (Joh.
3,36; Mark. 16,16).
Artikel 5
Die
Ursache oder die Schuld dieses Unglaubens, wie die auch aller
anderen Sünden, liegt keineswegs in Gott, sondern im Menschen. Der
Glaube aber an Jesus Christus und die Seligkeit durch ihn sind eine
Gnadengabe Gottes, wie geschrieben steht: Aus Gnade seid ihr
gerettet worden durch den Glauben, und das nicht aus euch: Gottes
Gabe ist es (Eph. 2, 8). Und ebenfalls: Euch ist die Gnade gegeben,
an Christus zu glauben (Phil. 1, 29).
Artikel 6
Daß
Gott einigen in der Zeit den Glauben schenkt, anderen aber nicht,
geht aus seinem ewigen Ratschluß hervor; denn ihm sind alle seine
Werke von Ewigkeit her bekannt (Apg. 15, 18); und: Er wirkt alle
Dinge nach dem Ratschluß seines Willens (Eph. 1, 11). Nach diesem
Ratschluß erweicht er gnädig die Herzen der Auserwählten, obwohl sie
hart sind, und neigt sie gnädig zum Glauben; diejenigen aber, die
nicht erwählt sind, beläßt er nach seinem gerechten Urteil in ihrer
Bosheit und Hartherzigkeit. Und hier erschließt sich uns besonders
die tiefe, barmherzige und zugleich gerechte Unterscheidung der
Menschen, die alle gleich verderbt sind, oder der Ratschluß der
Erwählung und Verwerfung, im Worte Gottes geoffenbart. Es ist ein
Ratschluß, den verkehrte, unreine und schwankende Menschen zu ihrem
Verderben verdrehen, der aber den heiligen und gottesfürchtigen
Seelen einen unaussprechlichen Trost gewährt.
Artikel 7
Diese
Erwählung ist ein unveränderlicher Vorsatz Gottes, durch den er vor
der Grundlegung der Welt aus dem gesamten Menschengeschlecht, das
aus der ursprünglichen Gerechtigkeit durch eigene Schuld in Sünde
und Verderben gefallen war, eine bestimmte Menge von Menschen, die
weder besser noch würdiger als andere sind, sondern mit ihnen in
demselben Elend verkehren, aus lauter Gnade zur Seligkeit auserwählt
hat - in Christus, den er auch von Ewigkeit her zum Mittler und
Haupt aller Auserwählten und zu einem Fundament der Seligkeit
gesetzt hat. Und damit sie durch ihn selig gemacht würden, hat er
auch beschlossen, sie ihm zu geben und vollmächtig zu seiner
Gemeinschaft durch sein Wort und seinen Geist zu rufen und zu
ziehen, oder sie mit dem wahren Glauben an ihn zu beschenken, sie zu
rechtfertigen, zu heiligen und, nachdem sie in der Gemeinschaft
seines Sohnes bewahrt sind, zuletzt zu verherrlichen zur Erweisung
seiner Barmherzigkeit und zum Ruhme des Reichtums seiner herrlichen
Gnade. Wie geschrieben steht: Gott hat uns erwählt in Christus, ehe
der Welt Grund gelegt war, daß wir sollten heilig sein und
unsträflich vor ihm. In seiner Liebe hat er uns dazu verordnet, daß
wir seine Kinder seien durch Jesus Christus nach dem Wohlgefallen
seines Willens, zum Lobe seiner herrlichen Gnade, mit der er uns
beschenkt hat in dem Geliebten (Eph. 1, 4-6). Und an anderer Stelle:
Welche er aber verordnet hat, die hat er auch berufen; welche er
aber berufen hat, die hat er auch gerecht gemacht; welche er aber
hat gerecht gemacht, die hat er auch herrlich gemacht (Röm. 8,
30):
Artikel 8
Die
genannte Erwählung ist nicht unterschiedlich,sondern ein und
dieselbe für alle, die gerettet werden, sowohl im Alten als auch im
Neuen Testament. Denn die Schrift verkündigt uns nur ein einiges
Wohlgefallen, einen einigen Vorsatz und Rat des göttlichen Willens,
durch die er uns von Ewigkeit her erwählt hat, sowohl zur Gnade als
auch zur Herrlichkeit, zur Seligkeit und zu dem Wege der Seligkeit,
den er bereitet hat, daß wir darauf wandeln sollen (Eph. 1, 4-5 und
2, 10).
Artikel 9
Dieselbe Erwählung ist nicht aus dem vorhergesehenen
Glauben und Gehorsam des Glaubens, aus vorhergesehener
Heiligkeit oder irgend einer anderen guten Eigenschaft oder
Fähigkeit geschehen, die als Grund oder Bedingung vorher in dem
Menschen erforderlich wären, der erwählt werden soll, sondern
zu dem Glauben, zu dem Gehorsam des Glaubens,
zur Heiligkeit usw. Demnach ist die Erwählung die Quelle
aller seligmachenden Güter, aus welcher der Glaube, die Heiligkeit
und andere seligmachenden Gaben, und schließlich das ewige Leben
selbst, als Früchte hervorgehen, nach dem Zeugnis des Apostels: Er
hat uns erwählt, nicht weil wir heilig und unsträflich vor ihm
waren, sondern daß wir es sein sollten (Eph. 1, 4).
Artikel 10
Der
Grund dieser gnädigen Erwählung ist allein das Wohlgefallen Gottes,
das nicht darin besteht, daß er irgendwelche Eigenschaften oder
Werke der Menschen aus allen möglichen Bedingungen als eine
Bedingung des Heils auswählte, sondern darin, daß er sich einige
bestimmte Personen aus der allgemeinen Menge der Sünder zum Eigentum
annahm, wie geschrieben steht: Ehe die Kinder geboren waren und
weder Gutes noch Böses getan hatten usw., ward zu ihr (Rebekka)
gesagt: Der Ältere soll dem Jüngeren dienstbar werden. Wie
geschrieben steht: Jakob habe ich geliebt, aber Esau habe ich gehaßt
(Röm. 9, 11-13). Und: Und wurden gläubig, wie viel ihrer zum ewigen
Leben verordnet waren (Apg. 13, 48).
Artikel 11
Und wie
Gott selbst im höchsten Grade weise, unveränderlich, allwissend und
allmächtig ist, so kann die durch ihn geschehene Erwählung weder
ungeschehen gemacht und wiederholt, noch verändert, widerrufen oder
abgebrochen werden, noch können die Erwählten verworfen oder kann
ihre Zahl vermindert werden.
Artikel 12
Dieser
ihrer ewigen und unveränderlichen Erwählung zur Seligkeit werden die
Auserwählten zu seiner Zeit, wenn auch in verschiedenen Graden und
ungleichem Maße, vergewissert; nicht, wenn sie die Verborgenheit und
Tiefen Gottes neugierig erforschen, sondern wenn sie die
untrüglichen Früchte der Erwählung, im Worte Gottes aufgezeigt (als
da sind: der wahre Glaube an Christus, kindliche Gottesfurcht,
göttliche Traurigkeit über die Sünde, Hunger und Durst nach der
Gerechtigkeit usw.) mit geistlicher Freude und heiligem Vergnügen in
sich wahrnehmen (2.Kor. 13, 5).
Artikel 13
Der
Erfahrung und Gewißheit dieser Erwählung entnehmen die Kinder Gottes
täglich größere Ursache, sich vor Gott zu demütigen, die Tiefe
seiner Barmherzigkeit anzubeten, sich selbst zu reinigen und ihn,
der sie zuerst sehr geliebt hat, wiederum inbrünstig zu lieben. Es
ist denn auch weit davon entfernt, daß sie durch diese Lehre von der
Erwählung und durch deren Betrachtung in dem Befolgen der göttlichen
Gebote lässiger oder auf fleischliche Art sorglos würden. Dies
pflegt aber nach Gottes gerechtem Urteil denen zu widerfahren, die,
indem sie sich der Gnade der Erwählung leichtsinnig vermessen oder
eitel und leichtfertig über sie schwatzen, auf dem Wege der
Auserwählten nicht wandeln wollen.
Artikel 14
Ferner,
wie diese Lehre von der göttlichen Erwählung nach dem weisen Rat
Gottes durch die Propheten, Christus selbst und die Apostel sowohl
im Alten als auch im Neuen Testament gepredigt worden ist, und
danach in den heiligen Schriften niedergelegt und überliefert, muß
sie auch heute - zu seiner Zeit und an seinem Ort - in der Kirche
Gottes (der sie ganz besonders zugeeignet ist) dargelegt werden, mit
dem Geist der Unterscheidung, gottesfürchtig und in heiliger
Gesinnung, ohne die Wege des Allerhöchsten in ungebührlicher Neugier
zu erforschen, zur Ehre des heiligen Namens Gottes und zum
lebendigen Trost seines Volkes (Apg. 20, 27, Röm. 12, 3 und 11,
33-34; Hebr. 6, 17 .18).
Artikel 15
Diese
ewige und unverdiente Gnade unserer Erwählung weist und preist uns
die Schrift am meisten dadurch an, daß sie weiter bezeugt, daß nicht
alle Menschen erwählt, sondern manche nicht erwählt und in Gottes
ewiger Erwählung übergangen sind. Es sind diejenigen, über die Gott
in seinem völlig freien, gerechten, untadeligen und unveränderlichen
Wohlgefallen beschlossen hat, sie in dem gemeinsamen Elend, in das
sie sich durch ihre eigene Schuld gestürzt haben, zu lassen, und sie
nicht mit dem seligmachenden Glauben und der Gnade der Bekehrung zu
beschenken, sondern sie auf ihren eigenen Wegen und unter seinem
gerechten Urteil zu belassen, und sie schließlich nicht nur wegen
des Unglaubens, sondern auch wegen aller übrigen Sünden, zum Erweis
seiner Gerechtigkeit, zu verdammen und ewig zu strafen. Und dies ist
der Ratschluß der Verwerfung, der Gott keineswegs zum Urheber der
Sünde (was zu denken gotteslästerlich ist), sondern zu ihrem
furchtbaren, untadeligen und gerechten Richter und Rächer macht.
(Siehe Fußnote zu: Erstes Lehrstück, Art.6).
Artikel 16
Diejenigen, die den lebendigen Glauben an Christus oder die
sichere Zuflucht des Herzens, den Frieden des Gewissens, die übung
des kindlichen Gehorsams, den Ruhm in Gott durch Christus noch nicht
kräftig in sich fühlen, aber doch die Mittel, durch die Gott
verheißen hat, dies alles in uns zu wirken, gebrauchen, müssen -
wenn sie von der Verwerfung hören - sich nicht entmutigen lassen,
auch sich nicht zu den Verworfenen zählen, sondern im Gebrauch der
Mittel eifrig fortfahren, die Stunde der reichlicheren Gnade heiß
ersehnen und sie ehrfurchtsvoll und demütig erwarten. Viel weniger
noch brauchen diejenigen von der Lehre der Verwerfung erschreckt zu
werden, die ernsthaft begehren, sich zu Gott zu bekehren, ihm allein
zu gefallen und von dem Leibe des Todes erlöst zu werden, trotzdem
aber auf dem Wege der Gottseligkeit und des Glaubens noch nicht so
weit kommen können, wie sie wohl wollten, weil der barmherzige Gott
ja verheißen hat, den glimmenden Docht nicht auszulöschen und das
zerstoßene Rohr nicht zu zerbrechen. Für diejenigen aber, die - Gott
und unseren Heiland Jesus Christus nicht achtend - sich den Sorgen
der Welt und den Wollüsten des Fleisches völlig überlassen, ist
diese Lehre mit Recht schrecklich, solange sie sich nicht ernstlich
zu Gott bekehren.
Artikel 17
Da wir
den Willen Gottes aus seinem Wort verstehen müssen, das bezeugt, daß
die Kinder der Gläubigen heilig sind, zwar nicht von Natur, sondern
kraft des Gnadenbundes, in den sie mit ihren Eltern mit einbegriffen
sind, dürfen gottselige Eltern nicht zweifeln an der Erwählung und
Seligkeit ihrer Kinder, die Gott in der Kindheit aus diesem Leben
abruft (1.Mose 17,7; Apg. 2,39; 1.Kor. 7, 14).
Artikel 18
Denen
aber, die über diese Gnade der unverdienten Erwählung und die
Strenge der gerechten Verwerfung murren, treten wir mit den Worten
des Apostels entgegen: Ja, lieber Mensch, wer bist du denn, daß du
mit Gott rechten willst (Röm. 9,20)? Wir aber rufen, indem wir diese
Geheiomnisse ehrfurchtsvoll anbeten, mit dem Apostel aus: "O, welch
eine Tiefe des Reichtums, beides der Weisheit und der Erkenntnis
Gottes! Denn wer hat des Herrn Sinn erkannt? Oder wer ist sein
Ratgeber gewesen? Oder wer hat ihm etwas zuvor gegeben, das ihm
werde wiedervergolten? Denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind
alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen" (Röm. 11, 33-36).
Die Verwerfung der
Irrtümer,
durch welche die niederländischen Kirchen
eine
Zeitlang beunruhigt wurden
Nach Darlegung der rechtgläubigen Lehre von der Erwählung und
Verwerfung verwirft die Synode die Irrtümer derer:
1.
Die lehren: "Der Wille Gottes, diejenigen, die glauben und im
Glauben und Gehorsam des Glaubens beharren würden, selig zu machen,
sei der ganze und vollständige Ratschluß der Erwählung zur Seligkeit
, und es sei nichts anderes über diesen Ratschluß im Worte Gottes
geoffenbart." - Denn diese betrügen die Einfältigen und
widersprechen eindeutig der Heiligen Schrift, die bezeugt, daß Gott
nicht nur diejenigen, die glauben, selig machen will, sondern daß er
auch bestimmte Menschen von Ewigkeit her erwählt hat, die er - vor
anderen - in dieser Zeit mit dem Glauben an Christus und der
Beharrlichkeit beschenken werde, wie geschrieben steht: Ich habe
deinen Namen offenbart den Menschen, die du mir von der Welt gegeben
hast (Joh. 17, 6). Und: Es wurden gläubig, wie viel ihrer zum ewigen
Leben verordnet waren (Apg. 13, 48). Und: Er hat und in ihm erwählt,
ehe der Welt Grund gelegt war, daß wir sollten heilig sein usw.
(Eph. 1, 4).
2.
Die lehren: "Die Erwählung Gottes zum ewigen Leben sei vielerlei:
die eine allgemein und unbestimmt, die andere eine besondere und
bestimmte, und diese wiederum entweder unvollständig, widerruflich,
nicht entscheidend und bedingt, oder vollständig, unwiderruflich,
entscheidend und unbedingt." Ebenso: "Es gebe eine Erwählung zum
Glauben und eine andere zur Seligkeit, so daß die Erwählung zum
rechtfertigenden Glauben ohne die entscheidende Erwählung zur
Seligkeit möglich sei." Denn dies ist eine Erdichtung des
menschlichen Gehirns, ohne die Schrift ausgedacht, wodurch die Lehre
von der Erwählung verdorben und diese goldene Kette unserer
Seligkeit zerrissen wird: Welche er verordnet hat, die hat er auch
berufen; welche er aber berufen hat, die hat er auch gerecht
gemacht; welche er aber hat gerecht gemacht, die hat er auch
herrlich gemacht (Röm. 8, 30).
3.
Die lehren: "Gottes Wohlgefallen und Vorsatz, von denen die
Schrift in der Lehre von der Erwählung redet, bestehe nicht darin,
daß Gott bestimmte Menschen vor anderen auserwählt habe, sondern
darin, daß Gott aus allen möglichen Bedingungen (unter denen auch
die Gesetzeswerke sind) oder aus dem ganzen Zusammenhang aller Dinge
die ihrer Art nach nicht versdienstliche Tat des Glaubens und dessen
unvollkommenen Gehorsam zur Bedingung der Seligkeit auserwählt habe,
den er aus Gnaden für einen vollkommenen Gehorsam halten und der
Belohnung des ewigen Lebens für würdig erachten wolle." Denn durch
diesen schändlichen Irrtum werden das Wohlgefallen Gottes und das
Verdienst Christi ihrer Kraft beraubt und die Leute durch unnütze
Fragen von der Wahrheit der gnädigen Rechtfertigung und der
Einfachheit der Schrift abgebracht und jene Worte des Apostels der
Unwahrheit geziehen: Gott hat uns berufen mit einem heiligen Ruf,
nicht nach unseren Werken, sondern nach seinem eigenen Vorsatz und
nach der Gnade, die uns gegeben ist in Christus Jesus vor der Zeit
der Welt (2. Tim. 1, 9).
4.
Die lehren: "Bei der Erwählung zum Glauben werde vorher als
Bedingung gefordert, daß der Mensch das Licht der Natur recht
gebrauche, fromm, gering, demütig und zum ewigen Leben geeignet sei,
als ob davon die Erwählung irgendwie abhinge." Denn dies riecht nach
der Gesinnung des Pelagius und widerstreitet der Lehre des Apostels,
der da schreibt: Wir haben vormals unsern Wandel gehabt in den
Lüsten unsers Fleisches und taten den Willen des Fleisches und der
Sinne und waren Kinder des Zornes von Natur, gleichwie auch die
andern. Aber Gott, der da reich ist an Barmherigkeit, hat um seiner
großen Liebe willen, mit der er uns geliebt hat, auch uns, die wir
tot waren in den Sünden, samt Christus lebendig gemacht, denn aus
Gnade seid ihr gerettet worden. Und hat uns samt ihm auferweckt und
samt ihm in das himmlische Wesen gesetzt in Christus Jesus, auf daß
er erzeigte in den kommenden Zeiten den überschwenglichen Reichtum
seiner Gnade durch seine Güte gegen uns in Christus Jesus. Denn aus
Gnade seid ihr gerettet worden durch den Glauben, und das nicht aus
euch: Gottes Gabe ist es, nicht aus den Werken, auf daß sicht jemand
rühme (Eph. 2, 3-9).
5.
Die lehren: "Die unvollständige und nicht entscheidende Erwählung
bestimmter Personen zur Seligkeit sei aus vorhergesehenem Glauben,
vorhergesehener Bekehrung, Heiligkeit und Gottseligkeit geschehen,
sei es, daß dies alles erst angefangen oder schon eine Zeitlang
gewährt habe; die vollständige und entscheidende Erwählung aber aus
der vorhergesehenen, bis zum Ende andauernden Beharrlichkeit im
Glauben, in der Bekehrung, Heiligkeit und Gottseligkeit: und dies
sei die Gnade und evangelische Würdigkeit, um derentwillen
derjenige, der erwählt werde, würdiger sei als der, der nicht
erwählt werde. So seien also der Glaube, der Gehorsam des Glaubens,
die Heiligkeit, Gottseligkeit und Beharrlichkeit nicht Früchte der
unveränderlichen Erwählung zur Herrlichkeit, sondern im voraus
verlangte und als vollbracht geltende Bedingungen, vorgesehen in
denjenigen, die vollkommen erwählt werden sollen, und Ursachen, ohne
die die unveränderliche Erwählung zur Herrlichkeit nicht geschieht."
Dies widerstreitet der ganzen Schrift, die unseren Ohren und Herzen
immer wieder diese und ähnliche Aussprüche einschärft: Die Erwählung
ist nicht aus Verdienst der Werke, sondern aus Gnade des Berufers
(Röm. 9, 12). Und wurden gläubig, wie viel ihrer zum ewigen Leben
verordnet waren (Apg. 13, 48). Er hat uns erwählt in ihm, daß wir
sollten heilig sein vor ihm (Eph. 1, 4). Ihr habt mich nicht
erwählt, sondern ich habe euch erwählt (Joh. 15, 16). Ist's aber aus
Gnaden, so ist's nicht aus Verdienst der Werke (Röm. 11, 6). Darin
steht die Liebe: nicht, daß wir Gott geliebt haben, sondern daß er
uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn (1. Joh. 4, 10).
6.
Die lehren: "Nicht jede Erwählung zur Seligkeit sei
unabänderlich, sondern einige Erwählte könnten, undanks irgendeines
Beschlusses Gottes, verlorengehen, und gingen auch ewig verloren."
Durch diesen groben Irttum machen sie Gott veränderlich und
zerstören den Trost der Gottseligen, den sie aus der Festigkeit
ihrer Erwählung schöpfen. Sie widersprechen auch der Heiligen
Schrift, die lehrt: Daß die Auserwählten nicht können verführt
werden (Matth. 24, 24); daß Christus diejenigen, die ihm vom Vater
gegeben sind, nicht verliert (Joh. 6, 39); und daß Gott diejenigen,
die er verordnet, berufen und gerecht gemacht hat, auch herrlich
gemacht hat (Röm. 8, 30).
7.
Die lehren: "Es gebe in diesem Leben keine Frucht und kein
Bewußtsein der unabänderlichen Erwählung zur Herrlichkeit, auch
keine Gewißheit als die, die abhängig sei von einer veränderlichen
und ungewissen Bedingung." Denn abgesehen davon, daß es widersinnig
ist, eine ungewisse Gewißheit anzunehmen, so ist dies auch in
Widerstreit mit der Erfahrung der Heiligen, die kraft des Gefühls
ihrer Erwählung mit dem Apostel frohlocken und diese Wohltat Gottes
rühmen (Eph. 1), die sich nach der Ermahnung Christi mit den Jüngern
freuen, daß ihre Namen im Himmel geschrieben sind (Luk. 10, 20), die
auch das Gefühl ihrer Erwählung den feurigen Pfeilen der
Versuchungen des Teufels entgegenstellen, indem sie fragen: Wer wird
die Auserwählten beschuldigen (Röm. 8, 33)?
8.
Die lehren: "Gott habe über niemanden, einzig kraft seines
gerechten Willens, beschlossen, ihn in dem Fall Adams und in dem
allgemeinen Stand der Sünde und der Verdammnis zu belassen, oder bei
der Mitteilung der zum Glauben und zur Bekehrung notwendigen Gnade
zu übergehen." Denn das steht fest: Er erbarmet sich, wessen er will
und verstocket, welchen er will (Röm 9, 18). Und: Euch ist es
gegeben, daß ihr die Geheimnisse des Himmelreichs versteht; diesen
aber ist es nicht gegeben (Matth. 13, 11). Ebenso: Ich preise dich,
Vater und Herr des Himmels und der Erde, daß du solches den Weisen
und Klugen verborgen hast und hast es den Unmündigen offenbart. Ja
Vater; denn es ist also wohlgefällig gewesen vor dir (Matth. 11,
25-26). (Siehe Fuß- note zu: Erstes Lehrstück, Art. 6).
9.
Die lehren: "Die Ursache,
weshalb Gott eher zu dem einen als dem anderen Volk das Evangelium
sende, sei nicht einzig und allein das Wohlgefallen Gottes, sondern
weil das eine Volk besser und würdiger als das andere sei, dem das
Evangelium nicht mitgeteilt werde." Denn das verneint Moses, indem
er das israelitische Volk also anredet: Siehe, der Himmel und aller
Himmel Himmel und die Erde und alles, was darinnen ist, das ist des
Herrn, deines Gottes. Und doch hat er nur deine Väter angenommen,
daß er sie liebte, und hat ihre Nachkommen, nämlich euch, erwählt
aus allen Völkern, so wie es heute ist (5. Mose 10, 14-15). Und
Christus: Wehe dir, Chorazin! Wehe dir, Bethsaida! Wären solche
Taten zu Tyrus und Sidon geschehen, wie bei euch geschehen sind, sie
hätten längst in Sack und Asche Buße getan (Matth. 11,
21).
Zweites Lehrstück
Vom Tode Christi und der Erlösung des
Menschen
durch ihn
Artikel 1
Gott ist nicht nur im höchsten Grade barmherzig, sondern auch
im höchsten Grade gerecht. Und seine Gerechtigkeit (wie er sich in
seinem Worte offenbart hat) fordert, daß unsere Sünden, die gegen
seine unendliche Majestät begangen worden sind, nicht nur mit
zeitlichen, sondern auch mit ewigen Strafen, beides an Leib und
Seele, gestraft werden. Diesen Strafen können wir nicht entgehen, es
sei denn, daß der Gerechtigkeit Gottes Genüge getan
wird.
Artikel 2
Da
wir aber nicht selbst Genüge tun und uns vom Zorn Gottes befreien
können, hat Gott aus unendlicher Barmherzigkeit seinen eingeborenen
Sohn zum Bürgen gegeben, der, um für uns Genugtuung zu leisten, für
uns oder an unserer Statt zur Sünde und zum Fluch am Kreuze geworden
ist.
Artikel 3
Dieser Tod des Sohnes Gottes ist das einzige und vollkommene
Opfer und die einzige und vollkommene Genugtuung für die Sünden, von
unendlicher Kraft und unendlichem Wert, überreich genug zur
Versöhnung der Sünden der ganzen Welt.
Artikel 4
Und
dieser Tod ist deshalb von so großer Kraft und so großem Wert, weil
die Person, die ihn erlitt, nicht nur ein wahrer und vollkommen
heiliger Mensch ist, sondern auch der eingeborene Sohn Gottes,
desselben ewigen und unendlichen Wesens mit dem Vater und dem
Heiligen Geist, wie unser Seligmacher sein mußte; zudem sein Tod mit
dem Gefühl des Zornes Gottes und des Fluches, den wir durch unsere
Sünden verdient hatten, verbunden war.
Artikel 5
Ferner ist es die Verheißung des Evangeliums, daß jeder, der
an den gekreuzigten Christus glaubt, nicht verlorengehe, sondern das
ewige Leben habe. Diese Verheißung muß allen Völkern und Menschen,
denen Gott nach seinem Wohlgefallen das Evangelium sendet, ohne
Unterschied - mit der Aufforderung zur Buße und zum Glauben -
verkündigt und unterbreitet werden.
Artikel 6
Daß
aber viele, obwohl durch das Evangelium berufen, sich weder bekehren
noch an Christus glauben, sondern im Unglauben zugrunde gehen,
geschieht nicht, weil an dem Opfer Christi am Kreuz etwas gebräche
oder es nicht ausreichte, sondern durch ihre eigene
Schuld.
Artikel 7
So
viele aber wahrhaft glauben und durch den Tod Christi von den Sünden
und vom Verderben erlöst und errettet werden, die empfangen diese
Wohltat allein aus Gottes Gnade, ihnen von Ewigkeit her in Christus
gegeben; eine Gnade, die er niemandem schuldig ist.
Artikel 8
Denn dies war der völlig freie Rat, der gnädige Wille und das
Vornehmen Gottes, des Vaters, daß die lebendig und seligmachende
Kraft des kostbaren Todes seines Sohnes sich auf alle Auserwählten
erstrecke, um diese allein mit dem rechtfertigenden Glauben zu
beschenken und durch denselben unfehlbar zur Seligkeit zu führen.
Das heißt: Gott wollte, daß Christus durch das Blut seines Kreuzes
(mit dem er den neuen Bund besiegelt hat) aus allen Völkern,
Stämmen, Geschlechtern und Zungen alle diejenigen, und nur die, die
von Ewigkeit her zur Seligkeit erwählt und ihm vom Vater gegeben
sind, kräftig erlöse, mit dem Glauben, den er ihnen, wie andere
seligmachende Gaben des Heiligen Geistes, durch seinen Tod erwarb,
beschenke und sie von allen Sünden, sowohl den angeborenen als auch
wirklichen Sünden, seien sie nach oder vor dem Glauben begangen,
durch sein Blut reinige, sie bis zum Ende treu bewahre und zuletzt
ohne Flecken und Runzel herrlich vor sich stelle.
Artikel 9
Dieser Ratschluß, der aus der ewigen Liebe Gottes zu den
Auserwählten hervorgeht, ist von Anbeginn der Welt bis auf die
heutige Zeit (die Pforten der Hölle widersetzen sich ihm vergeblich)
in kraftvoller Weise erfüllt worden, und er wird auch weiterhin so
erfüllt werden daß die Erwählten zu seiner Zeit zu einem Leibe
versammelt werden, und daß es immer eine Kirche der Gläubigen geben
wird, auf Christi Blut gegründet, die ihn, ihren Heiland, der für
sie, wie ein Bräutigam für seine Braut, sein Leben am Kreuz
dahingegeben hat, beständig liebt, ihm immerfort dient und ihn hier
und in alle Ewigkeit preist.
Verwerfung der
Irrtümer
Nach Darlegung der rechten Lehre verwirft die Synode die
Irrtümer derer:
1.
Die lehren: "Gott der Vater habe seinen Sohn zum Tode des
Kreuzes verordnet ohne einen gewissen und bestimmten Ratschluß,
irgend jemanden sicherlich selig zu machen, so daß die
Notwendigkeit, der Nutzen und der Wert dessen, was Christus durch
seinen Tod erworben hat, auch hätten bestehen und in jeder Beziehung
vollendet, vollkommen und unversehrt bleiben können, wenn die
erworbene Erlösung keinem einzigen Menschen je in Wirklichkeit
zuteil worden wäre." Denn diese Lehre verschmäht die Weisheit des
Vaters und die Verdienste Jesu Christi und widerstreitet der
Heiligen Schrift. Denn so spricht unser Heiland: Ich lasse mein
Leben für die Schafe, und ich kenne sie (Joh. 10, 15.27). Und der
Prophet Jesaja sagt von dem Heiland: Wenn er sein Leben zum
Schuldopfer gegeben hat, wird er Nachkommen haben und in die Länge
leben, und des Herrn Plan wird durch seine Hand fortgehen (Jes. 53,
10). Schließlich stößt sie den Glaubensartikel um, nach dem wir
glauben: eine allgemeine christliche Kirche.
2.
Die lehren: "Der Zweck des Todes Christi sei nicht
gewesen, tatsächlich den neuen Bund der Gnade mit seinem Blut zu
besiegeln, sondern mlr, daß er dem Vater das Recht erwürbe, mit den
Menschen wieder einen Bund nach seinem Belieben, sei es der Gnade
oder der Werke, eingehen zu können." Denn dies widerstreitet der
Schrift, die lehrt, daß Christus Bürge und Mittler eines besseren,
das heißt des neuen Bundes geworden ist, und daß ein Testament erst
in Kraft tritt mit dem Tod (Hebr. 7, 22 und 9, 15.17).
3.
Die lehren: "Christus habe durch seine Genugtuung für
niemanden gewiß die Seligkeit selbst und den Glauben, durch den
diese Genugtuung Christi zur Seligkeit wirksam zugeeignet wird,
verdient, sondern bloß dem Vater die Macht oder den völligen Willen
erworben, aufs neue mit den Menschen zu handeln und ihnen neue
Bedingungen nach seinem Belieben vorzuschreiben, deren Vollbringung
vom freien Willen des Menschen abhinge, und es deshalb hätte
geschehen können, daß entweder keiner oder alle sie erfüllten." Denn
diese denken allzu verächtlich über den Tod Christi, erkennen
keineswegs die vornehmste Frucht oder Wohltat, die durch ihn
erworben wurde, an und bringen die Pelagianische Irrlehre wieder aus
der Hölle hervor.
4.
Die lehren: "Der neue Bund der Gnade, den Gott der Vater
durch Vermittlung des Todes Christi mit den Menschen schloß, bestehe
nicht darin, daß wir durch den Glauben, soweit er das Verdienst
Christi annimmt, vor Gott gerecht und selig werden, sondern darin,
daß Gott die Forderung des völligen Gehorsams gegen das Gesetz
abgeschafft habe und den Glauben selbst und den - obschon noch
unvollkommenen - Gehorsam des Glaubens für den vollkommenen Gehorsam
gegen das Gesetz-halte und aus Gnaden der Belohnung des ewigen
Lebens für würdig erachte." Denn diese widersprechen der Schrift:
Sie werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die
Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist. Den hat Gott für
den Glauben hingestellt in seinem Blut als Sühneopfer (Röm. 3,
24.25); und sie bringen eine neue und fremdartige Rechtfertigung des
Menschen vor Gott hervor gegen die klare übereinstimmung der ganzen
Kirche.
5.
Die lehren: "Alle Menschen seien in den Stand der
Versöhnung und die Gnade des Bundes aufgenommen, so daß niemand
wegen der Erbsünde der Verdammnis schuldig sei oder verdammt werde,
sondern alle seien von der Schuld dieser Sünde frei." Denn diese
Meinung widerstreitet der Schrift, die sagt, daß wir von Natur
Kinder des Zorns sind (Eph. 2, 3).
6.
Die den Unterschied zwischen Erwerbung und Zueignung dazu
gebrauchen, den Unvorsichtigen und Unerfahrenen die Meinung
einzuflößen: "Gott wolle, soviel an ihm liege, allen Menschen
gleichmäßig die Wohltaten, die durch den Tod Christi erlangt werden,
zuteilen. Daß aber einige der Vergebung der Sünden und des ewigen
Lebens teilhaftig werden, andere nicht, dieser Unterschied sei von
ihrem freien Willen abhängig, der sich selbst bei der ohne
Unterschied angebotenen Gnade fügt, nicht aber von der besonderen
Gabe der Barmherzigkeit, die kräftig in ihnen wirkt, damit sie sich
vor anderen diese zueigneten." Denn diese, die so tun, als ob sie
diesen Unterschied in guter Absicht vortrügen, trachten danach, dem
Volk das verderbliche Gift des Pelagianismus einzuflößen.
7.
Die lehren:
"Christus habe für die, die Gott aufs höchste liebt und zum ewigen
Leben erwählt hat, nicht sterben können oder brauchen, und er sei
auch nicht gestorben, weil solche den Tod Christi nicht nötig
hätten." - Denn sie widersprechen dem Apostel, der sagt: Christus
hat mich geliebt und sich selbst für mich dargegeben (Gal. 2, 20).
Ebenso: Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist
hier, der da gerecht macht. Wer will verdammen? Christus ist hier,
der gestorben ist (Röm. 8, 33.34), nämlich für sie; und sie
widersprechen dem Heiland, der sagt: Ich lasse mein Leben für die
Schafe (Joh. 10, 15), und: Das ist mein Gebot, daß ihr euch
untereinander liebet, gleichwie ich euch liebe. Niemand hat größere
Liebe denn die, daß er sein Leben läßt für seine Freunde (Joh. 15,
12.13).
Drittes und viertes
Lehrstück
Von der Verderbnis
des Menschen, seiner
Bekehrung zu Gott und der Art und
Weise
derselben
Artikel 1
Der
Mensch ist von Anbeginn nach dem Bilde Gottes geschaffen, in seinem
Verstande mit einer wahren und seligen Erkenntnis seines Schöpfers
und anderer geistlicher Dinge geschmückt, in seinem Willen und
Herzen mit Gerechtigkeit, in all seinen Neigungen mit Reinheit, und
war demgemäß ganz heilig. Aber auf Anstiftung des Teufels und nach
seinem freien Willen sich von Gott abwendend beraubte er sich selbst
dieser vortrefflichen Gaben und holte dagegen an deren Stelle
Blindheit, fürchterliche Finsternis, Eitelkeit und Verkehrtheit des
Urteils in seinem Verstande, Bosheit, Widersetzlichkeit und
Verhärtung in seinem Willen wie auch Unreinheit in all seinen
Neigungen über sich.
Artikel 2
Wie
der Mensch nun nach dem Fall beschaffen war, solche Kinder zeugte er
auch, nämlich als ein Verderbter verderbte, also, daß die Verderbnis
nach Gottes gerechtem Urteil von Adam auf alle seine Nachkommen
(Christus allein ausgenommen) gekommen ist, und dies nicht durch
Nachahmung, wie einst die Pelagianer behaupteten, sondern durch
Fortpflanzung der verderbten Natur.
Artikel 3
So
werden denn alle Menschen in Sünden empfangen und als Kinder des
Zorns geboren, untüchtig zu allem seligmachenden Guten, geneigt zum
Bösen, tot in Sünden und als Sklaven der Sünde. Sie wollen und
können weder zu Gott zurückkehren noch ihre verderbte Natur bessern
oder sich zu deren Besserung bereit finden ohne die Gnade des
wiedergebärenden Heiligen Geistes.
Artikel 4
Zwar ist nach dem Fall im Menschen noch ein gewisses Licht
der Natur übriggeblieben, wodurch er einige Kenntnis von Gott, von
den natürlichen Dingen, von dem Unterschied zwischen dem, was sich
geziemt und nicht geziemt, behält und auch der Tugend und äußeren
Zucht noch eine gewisse Beachtung schenkt. Jedoch ist es so weit
davon entfernt, daß der Mensch durch dies Licht der Natur zu der
seligmachenden Erkenntnis Gottes kommen könnte und sich zu ihm
bekehren, daß er selbst in natürlichen und bürgerlichen Dingen von
diesem Licht keinen rechten Gebrauch macht, es vielmehr, von welcher
Art es auch sei, auf verschiedene Weise völlig besudelt und in
Ungerechtigkeit niederhält. Und weil er dies tut, wird ihm jede
Entschuldigung vor Gott genommen.
Artikel 5
Wie
mit dem Licht der Natur, so verhält es sich auch mit dem Gesetz der
zehn Gebote, das Gott durch Mose besonders den Juden gab. Denn weil
dies zwar die Größe der Sünde aufdeckt und den Menschen mehr und
mehr von seiner Schuld überzeugt, aber das Heilmittel dagegen nicht
anweist, noch irgendwelche Kräfte verleiht, aus diesem Elend
herauszukommen, und weil es also, durch das Fleisch kraftlos
geworden, den übertreter unter dem Fluch läßt, kann der Mensch
dadurch die seligmachende Gnade nicht erlangen.
Artikel 6
Was
daher weder das Licht der Natur noch das Gesetz vermag, das tut Gott
durch die Kraft des Heiligen Geistes und durch das Wort oder das Amt
der Versöhnung, nämlich das Evangelium des Messias, durch das es
Gott gefiel, die gläubigen Menschen sowohl im Alten als auch im
Neuen Testament selig zu machen.
Artikel 7
Dies Geheimnis seines Willens hat Gott im Alten Testament
wenigen bekannt gemacht, im Neuen Testament dagegen (nachdem der
Unterschied der Völker nun aufgehoben ist) hat er es mehreren
offenbart. Die Ursache dieser verschiedenen Erteilung ist nicht in
der Würdigkeit des einen Volkes vor dem andern zu suchen oder darin,
daß ein Volk das Licht der Natur besser gebraucht als ein anderes,
sondern in dem völlig freien Wohlgefallen und der unverdienten Liebe
Gottes. Darum müssen auch diejenigen, denen ohne, ja gegen alles
Verdienst eine so große Gnade zuteil wird, diese mit demütigem und
dankbarem Herzen anerkennen, bei den andern aber, denen diese Gnade
nicht zuteil wird, müssen sie die Strenge und Gerechtigkeit der
Gerichte Gottes mit dem Apostel anbeten und die keineswegs neugierig
erforschen.
Artikel 8
So
viele aber durch das Evangelium berufen werden, die werden ernstlich
berufen. Denn ernstlich und wahrhaftig zeigt Gott in seinem Wort,
was ihm angenehm ist, nämlich, daß die Berufenen zu ihm kommen.
Ernsthaft verspricht er auch allen, die zu ihm kommen und glauben,
Ruhe der Seelen und ewiges Leben.
Artikel 9
Daran, daß viele, obwohl durch das Evangelium berufen, nicht
kommen und nicht bekehrt werden, ist weder das Evangelium schuld
noch Christus, der uns im Evangelium angeboten wird, noch Gott, der
durch das Evangelium beruft und selbst denen, die er beruft,
verschiedene Gaben mitteilt, sondern diejenigen, die berufen werden,
von denen aber einige Sorglose das Wort des Lebens nicht annehmen;
andere nehmen es zwar an, aber nicht im Innern ihres Herzens, und
darum weichen sie - nach kurzer Freude - von dem zeitlichen Glauben
wieder zurück; andere ersticken den Samen des Wortes mit den Dornen
der Sorgen und Lüste der Welt und bringen keine Frucht, wie es unser
Heiland in dem Gleichnis vom Säemann lehrt (Matth.
13).
Artikel 10
Daß
aber andere, durch den Dienst des Evangeliums berufen, kommen und
bekehrt werden, ist nicht dem Menschen zuzuschreiben, als ob er sich
durch seinen freien Willen von anderen unterscheide, die mit ebenso
großer und hinreichender Gnade zum Glauben versehen sind (was die
hoffärtige Ketzerei des Pelagius behauptet), sondern es ist Gott
zuzuschreiben, der, wie er die Seinen von Ewigkeit her in Christus
erwählt hat, sie auch in der Zeit kräftig beruft, mit dem Glauben
und der Bekehrung beschenkt, aus der Macht der Finsternis erlöst und
in das Reich seines Sohnes führt, damit sie verkündigten die
Wohltaten des, der sie berufen hat aus der Finsternis zu seinem
wunderbaren Licht, und darnit sie sich nicht ihrer selbst, sondern
des Herrn rühmten, wie es die apostolischen Schriften durchgehend
bezeugen.
Artikel 11
Ferner, wenn Gott den Auserwählten sein Wohlgefallen erzeigt
und die wahre Bekehrung in ihnen wirkt, läßt er sie nicht nur das
Evangelium äußerlich predigen und erleuchtet kräftig ihren Verstand
durch den Heiligen Geist, damit sie die Dinge, die des Geistes
Gottes sind, recht verstehen und unterscheiden, sondern er dringt
auch mit der kräftigen Wirkung desselben wiedergebärenden Geistes
bis ins Innerste des Menschen ein. Er öffnet das Herz, das
geschlossen ist; er erweicht, was verhärtet ist; er beschneidet, was
unbeschnitten ist. Dem Willen gibt er eine neue Beschaffenheit und
bewirkt, daß dieser Wille, der tot war, lebendig wird; der böse war,
gut wird; der nicht wollte, jetzt wirklich will; der widerspenstig
war, gehorsam wird. Es setzt den Willen in Bewegung und stärkt ihn
also, daß er wie eine gute Frucht gute Werke hervorbringen
kann.
Artikel 12
Dies ist nun die Wiedergeburt, die Erneuerung, neue
Schöpfung, Auferweckung von den Toten und die Lebendigmachung, wovon
so herrlich in den Schriften gesprochen wird, die Gott ohne uns in
uns wirkt. Sie wird nicht allein durch das Mittel der äußeren
Predigt in uns zustande gebracht, auch nicht durch Anraten oder eine
Wirkung von der Art, daß - wenn Gott sein Werk vollbracht hat - es
dann noch in der Gewalt des Menschen stände, wiedergeboren zu werden
oder nicht wiedergeboren zu werden, bekehrt zu werden oder nicht
bekehrt zu werden. Es ist im Gegenteil eine völlig übernatürliche,
sehr kräftige und zugleich sehr liebliche, wunderbare, verborgene
und unaussprechliche Wirkung, nach dem Zeugnis der Heiligen Schrift
(die von dem Urheber dieser Wirkung eingegeben ist) weder kleiner
noch geringer an Kraft als die Schöpfung oder Auferweckung der
Toten, so daß alle diejenigen, in deren Herzen Gott in dieser
wunderbaren Weise wirkt, gewiß, unfehlbar und kräftig wiedergeboren
werden und wirklich glauben. Und dann wird der nun erneuerte Wille
nicht nur von Gott getrieben und bewegt, sondern - von Gott in
Bewegung gesetzt - handelt er auch selbst. Darum kann man auch mit
Recht sagen, daß der Mensch durch die Gnade, die er empfangen hat,
glaubt und sich bekehrt.
Artikel 13
Die
Art und Weise dieser Wirkung können die Gläubigen in diesem Leben
nicht völlig begreifen; unterdes finden sie Ruhe darin, daß sie
wissen und fühlen, durch diese Gnade Gottes von Herzen zu glauben
und ihren Heiland zu lieben.
Artikel 14
So
ist denn der Glaube eine Gabe Gottes, nicht weil er dem freien
Willen des Menschen von Gott angeboten wird, sondern weil er dem
Menschen wirklich geschenkt, eingegeben und eingeflößt wird; auch
nicht deshalb, weil Gott nur die Fähigkeit zum Glauben erteilte und
danach die Zustimmung oder das wirkliche Glauben von dem freien
Willen des Menschen erwartete, sondern weil er, der das Wollen und
das Vollbringen, ja, alles in allen, wirkt, in dem Menschen beides
zustande bringt, den Willen, um zu glauben, und den Glauben
selbst.
Artikel 15
Diese Gnade ist Gott niemandem schuldig; denn was sollte er
schuldig sein dem, der ihm nichts zuvor geben kann, das ihm
wiedervergolten würde? Ja, was sollte Gott dem schuldig sein, der
von sich selbst nichts als Sünde und Lüge hat? Wer daher diese Gnade
empfängt, schuldet Gott dafür ewigen Dank und dankt ihm auch dafür.
Wer diese Gnade nicht empfängt, achtet auch diese geistlichen Dinge
überhaupt nicht und ist selbstgefällig, oder er rühmt sich - sorglos
und eitel - zu besitzen, was er nicht besitzt. Von denen aber, die
ihren Glauben äußerlich bekennen und ihr Leben bessern, muß man nach
dem Vorbild der Apostel das beste annehmen und sagen: denn das
Innere des Herzens ist uns unbekannt. Was die anderen anbelangt, die
noch nicht berufen sind, so muß man für sie zu Gott beten, der das,
was nicht ist, ruft, daß es sei, und wir dürfen uns keineswegs stolz
über sie erheben, als ob wir uns selbst ausgesondert
hätten.
Artikel 16
Doch wie der Mensch durch den Fall nicht aufgehört hat ein
Mensch zu sein, mit Verstand und Willen begabt, und wie die Sünde,
die das ganze menschliche Geschlecht durchdrang, die Natur des
Menschen nicht aufgehoben, sondern verdorben und geistlich getötet
hat, so wirkt auch diese göttliche Gnade der Wiedergeburt in den
Menschen nicht wie in Stöcken und Blöcken (als ob sie tote Dinge
wären), sie vernichtet den Willen und seine Eigenschaften nicht und
zwingt sie nicht mit Gewalt gegen ihren Willen, sondern sie macht
sie geistlich lebendig, heilt, bessert und beugt sie auf eine
zugleich liebliche und kraftvolle Weise, so daß da, wo früher
Widersetzlichkeit und der Widerstand ganz und gar überwogen, jetzt
ein williger und aufrichtiger Gehorsam des Geistes beginnt, die
Oberhand zu gewinnen, worin die wahre und geistliche
Wiederherstellung und Freiheit unseres Willens liegen. Und wenn der
wunderbare Werkmeister alles Guten nicht auf diese Weise mit uns
handelt, würde der Mensch keinerlei Hoffnung haben, sich aus dem
Fall durch seinen freien Willen, durch den er sich selbst, als er
noch stand, ins Verderben stürzte, wieder erheben zu
können.
Artikel 17
Wie
auch die allmächtige Wirkung Gottes, durch die er unser natürliches
Leben hervorbringt und erhält, den Gebrauch der Mittel, durch die
Gott nach seiner unendlichen Weisheit und Güte seine Kraft ausüben
wollte, nicht ausschließt, sondern erfordert, so schließt auch die
genannte übernatürliche Wirkung Gottes, durch die er uns neu
gebiert, keineswegs den Gebrauch des Evangeliums, das der weise Gott
zu einem Samen der Wiedergeburt und einer Speise der Seele verordnet
hat, aus oder stößt ihn um. Darum also, wie die Apostel und Lehrer,
die ihnen nachgefolgt sind, das Volk auf gottselige Weise zu seiner
Ehre und zur Unterdrückung alles menschlichen Hochmuts über diese
Gnade Gottes unterrichtet und dabei nicht nachgelassen haben, es
durch heilige Ermahnungen des Evangeliums unter der Bedienung des
Wortes und der Sakramente und der Ausübung der kirchlichen Zucht zu
halten, so muß es auch jetzt weit davon entfernt sein, daß
diejenigen, die andere in der Gemeinde unterrichten oder
unterrichtet werden, Gott damit zu versuchen wagten, daß sie
trennten, was nach Gottes Wohlgefallen zusammen bleiben sollte. Denn
durch die Ermahnungen wird die Gnade mitgeteilt, und je williger wir
unser Amt ausüben, desto herrlicher offenbart sich auch die Wohltat
Gottes, der in uns wirkt, und sein Werk geht dann am besten weiter.
Ihm allein gebührt sowohl für die Mittel als auch für deren
seligmachende Frucht und Kraft alle Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.
Verwerfung
der Irrtümer
Nach Darlegung der rechtgläubigen Lehre verwirft die Synode
die Irrtümer derer:
1.
Die
lehren: "Eigentlich könne man nicht sagen, daß die Erbsünde an sich
hinreiche, um das ganze menschliche Geschlecht zu verdammen oder um
zeitliche und ewige Strafen zu verdienen." Denn diese widersprechen
dem Apostel, der sagt: Durch einen Menschen ist die Sünde in die
Welt gekommen und der Tod durch die Sünde, und ist also derTod zu
allen Menschen durchgedrungen, weil sie alle gesündigt haben (Röm.
5, 12). Und: Das Urteil hat aus des einen Sünde geführt zur
Verdammnis (Röm. 5, 16). Und: Der Tod ist der Sünde Sold (Röm. 6,
23).
2.
Die
lehren: "Die geistlichen Gaben oder die guten Eigenschaften und
Tugenden, wie: Güte, Heiligkeit Gerechtigkeit, hätten in dem Willen
des Menschen, als er zuerst geschaffen wurde, nicht sein und deshab
auch bei seinem Fall nicht getrennt werden können." Denn dies
widerspricht der Beschreibung des Bildes Gottes, die der Apostel in
Eph. 4, 24 gibt, wo er bezeugt, daß es besteht in Gerechtigkeit und
Heiligkeit die beide zweifellos ihren Sitz in dem Willen
haben.
3.
Die
lehren: "In dem geistlichen Tod seien die geistlichen Gaben nicht
von des Menschen Willen getrennt, da der Wille an sich niemals
verdorben gewesen sei, sondern nur durch die Finsternis des
Verstandes und die Unordnung der Neigungen behindert und, wenn diese
Hindernisse behoben seien, könne der Wille seine freie, angeborene
Kraft ins Werk setzen, das hei8t, er könne allerlei Gutes, das ihm
begegnet, aus sich selbst wollen und erwählen oder nicht wollen und
nicht erwählen." Dies ist eine Neuerung und ein Irrtum zu dem Zweck,
die Kräfte des freien Willens zu erheben, und es ist gegen den
Ausspruch des Propheten: Es ist das Herz ein trotzig und vezagt Ding
(Jer. 17, 9) und des Apostels: Unter ihnen (Kindem des Unglaubens)
auch wir alle vormals unseren Wandel gehabt haben in den Lüsten
unseres Fleisches und taten den Willen des Fleisches und der Sinne"
(Eph.2,3).
4.
Die
lehren: "Der unwiedergeborene Mensch sei nicht eigentlich und nicht
ganz tot in der Sünde oder aller Kräfte zum geistlich Guten bar,
sondern er könne noch hungem und dürsten nach der Gerechtigkeit und
dem Leben und ein Opfer eines zerschlagenen und gebrochenen Geistes,
das Gott angenehm ist, darbringen." Denn dies widerstreitet den
klaren Zeugnissen der Schrift: Ihr waret tot in euren übertretungen
und Sünden (Eph. 2, 1.5). Und: Alles Dichten und Trachten ihres
Herzens ist nur böse immerdar (1. Mose 6, 5 und 8, 21). Außerdem:
Hungem und Dürsten nach der Erlösung aus dem Elend und nach dem
Leben und Gott das Opfer eines gebrochenen Geistes darbringen, gilt
nur von den Wiedergeborenen und denen, die selig genannt werden
(Psalm 51, 10 und Matth. 5, 6).
5.
Die
lehren: "Der verderbte und natürliche Mensch könne die allgemeine
Gnade (man meint damit das Licht der Natur) oder die Gaben, die ihm
nach dem Fall noch geblieben sind, so recht gebrauchen, da8 er durch
diesen guten Gebrauch eine größere, nämlich die evangelische oder
seligmachende Gnade und die Seligkeit selbst allmählich und
stufenweise erlangen könnte. Und in dieser Weise zeige sich Gott
seinerseits bereit, Christus allen Menschen zu offenbaren, da er
allen die zur Bekehrung nötigen Mittel genügend und kräftig zukommen
läßt." Denn neben der Erfahrung aller Zeiten bezeugt auch die
Schrift, daß dies unwahrhaftig ist: Er verkündigt Jakob sein Wort,
Israel seine Gebote und sein Recht. So hat er an keinem Volk getan;
sein Recht kennen sie nicht (Ps. 147, 19.20). Gott hat in den
vergangenen Zeiten alle Heiden gehen lassen ihre eigenen Wege (Apg.
14, 16). Und: Ihnen (nämlich Paulus und seinen Begleitern) ward
gewehrt vom Heiligen Geist zu reden das Wort in der Landschaft
Asien. Als sie aber kamen bis nach Mysien, versuchten sie nach
Bithynien zu reisen; und der Geist ließ es ihnen nicht zu
(Apg.16,6.7).
6.
Die
lehren: "In der wahren Bekehrung des Menschen könnten dem Willen
keine neuen Eigenschaften, Kräfte oder Gaben von Gott eingeflößt
werden, und deshalb sei der Glaube, durch den wir zuerst bekehrt
werden und nach dem wir 'Gläubige' genannt werden, nicht eine von
Gott eingeflößte Eigenschaft oder Gabe, sondern nur eine Tat des
Menschen; eine Gabe könne er nur genannt werden im Hinblick auf das
Vermögen, zum Glauben zu kommen." Denn damit widersprechen sie der
Heiligen Schrift, die bezeugt, daß Gott neue Eigenschaften des
Glaubens, des Gehorsams und des Bewußtseins seiner Liebe in unsere
Herzen ausgießt: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren
Sinn schreiben (Jer. 31, 33). Und: Ich will Wasser gießen auf das
Durstige und Ströme auf das Dürre; ich will meinen Geist auf deine
Kinder gießen (Jes. 44, 3). Und: Die Liebe Gottes ist ausgegossen in
unser Herz durch den Heiligen Geist, welcher uns gegeben ist (Röm.
5, 5). Es widerstreitet auch dem beharrlichen Brauch der Kirche, die
bei dem Propheten also bittet: Bekehre du mich, so will ich mich
bekehren (Jer.31,18).
7.
Die
lehren: "Die Gnade, durch die wir zu Gott bekehrt würden, sei nichts
anderes als ein sanftes Anraten oder (wie andere dies erklären) die
vornehmste Art, in der Bekehrung des Menschen zu wirken, und die
sich am besten mit des Menschen Natur vertrage, sei die, die durch
Anraten geschehe, und es gäbe nicht, weshalb diese anratende Gnade
nicht genügen sollte, den natürlichen Menschen geistlich zu machen.
Ja, Gott bringe auf keine andere Weise als durch dieses Anraten die
Zustimmung des Willens hervor, und die Kraft der göttlichen Wirkung,
wodurch sie die Wirkung des Satans übertreffe, liege hierin, daß
Gott ewige, der Satan aber zeitliche Güter verspreche." Denn dies
ist völlig pelagianisch und zu der ganzen Schrift im Widerspruch,
die außer dieser noch eine andere, viel kräftigere und göttlichere
Art der Wirkung des Heiligen Geistes in der Bekehrung des Mensten
bekennt, wie bei Hesekiel: "Ich will euch ein neues Herz und einen
neuen Geist in euch geben und will das steinerne Hez aus eurem
Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben
(Hes.36,26).
8.
Die
lehren: "Gott wende in der Wiedergeburt des Menschen solche Kräfte
seines Allvermögens nicht an, durch die er dessen Willen kräftig und
unfehlbar zum Glauben und zur Bekehrung hinwende, sondern, nachdem
die Gnade, die Gott gebraucht, um den Menschen zu bekehren, alle
ihre Wirkungen vollbracht habe, könne der Mensch trotzdem Gott und
dem Heiligen Geist, wenn er seine Wiedergeburt vorhat und ihn
wiedergebären will, dermaßen widerstehen - und widerstehe auch in
der Tat oft -, daß er seine Wiedergeburt selbst ganz und gar
verhindere. Es bleibe also in seiner eigenen Gewalt, wiedergeboren
zu werden oder nicht." Denn dies bedeutet nichts anderes, als alle
Kraft der Gnade Gottes in unserer Bekehrung aufzuheben und die
Wirkung des allmächtigen Gottes dem menschlichen Willen zu
unterwerfen, und dies widerstreitet den Aposteln, die lehren: daß
wir glauben, weil die Macht seiner Stärke bei uns wirksam wurde
(Eph. 1, 19). Und: daß Gott vollende rechten Willen zur Güte und die
Tat des Glaubens in Kraft (2. Thess. 1, 11). Und: daß seine
göttliche Kraft uns alles, was zum Leben und göttlichen Wandel
dient, schenkt (2. Petri 1, 3).
9.
Die
lehren: »Die Gnade und der freie Wille seien Teilursachen, die beide
zusammen den Anfang der Bekehrung wirkten und die Wirkung der Gnade
in der Reihenfolge nicht vor der Wirkung des Willens komme, das
heißt, Gott helfe dem Willen des Menschen nicht eher kräftig zur
Bekehrung, als der Wille des Menschen sich selbst in Bewegung setzt
und dazu bestimmt.a Denn die alte Kirche hat diese Lehre schon seit
langem in den Pelagianern auf Grund der Worte des Apostels
verurteilt: So liegt es nun nicht an jemandes Wollen oder Laufen,
sondern an Gottes Erbarmen (Röm. 9, 16). Ebenso: Wer gibt dir einen
Vorzug? Was hast du, das du nicht empfangen hast (1. Kor. 4, 7)?
Und: Denn Gott ist's, der in euch wirkt beides, das Wollen und das
Vollbringen zu seinem Wohlgefallen (Phil. 2, 13).
Fünftes Lehrstück
Von der Beharrlichkeit der
Heiligen
Artikel 1
Diejenigen, die Gott nach seinem Vorsatz zu der Gemeinschaft
seines Sohnes, unseres Herrn Jesu Christi, beruft und durch den
Heiligen Geist wiedergebärt, erlöst er zwar von der Herrschaft und
der Sklaverei der Sünde, aber er erlöst sie in diesem Leben nicht
ganz und gar von dem Fleisch und dem Leib der Sünde.
Artikel 2
Daraus sprießen die täglichen Sünden der Schwachheit, und
auch den besten Werken der Heiligen kleben Gebrechen an. Dies
veranlaßt sie fortwährend, sich vor Gott zu demütigen, ihre Zuflucht
zu dem gekreuzigten Christus zu nehmen, das Fleisch je länger je
mehr durch den Geist des Gebets und heilige übungen der Gottesfurcht
zu töten und nach dem Endziel der Vollkommenheit zu seufzen, bis
sie, von diesem Leibe des Todes befreit, mit dem Lamm Gottes im
Himmel regieren werden.
Artikel 3
Wegen dieser überbleibsel der Sünde, die in uns wohnen, und
auch der Anfechtungen der Welt und des Satans könnten die Bekehrten
in dieser Gnade nicht beharren, wenn sie ihren eigenen Kräften
überlassen blieben. Aber Gott ist treu, der sie in der einmal
geschenkten Gnade barmherzig befestigt und bis zum Ende machtvoll
bewahrt.
Artikel 4
Obwohl nun diese Macht Gottes, durch die er die wahren
Gläubigen in der Gnade befestigt und bewahrt, größer ist, als daß
sie vom Fleische überwunden werden könnte, werden die Bekehrten doch
nicht immer so von Gott geleitet und bewogen, daß sie nicht in
gewissen einzelnen Handlungen durch ihre eigene Schuld von der
Führung der Gnade abweichen könnten und von den Begierden des
Fleisches verführt werden und ihnen gehorchen. Darum müssen sie
beständig wachen und beten, daß sie nicht in Versuchungen geführt
werden. Tun Sie dies nicht, so können sie nicht nur durch das
Fleisch, die Welt und den Teufel zu schweren und abscheulichen
Sünden verführt werden, sondern sie werden auch tatsächlich manchmal
- durch die gerechte Zulassung Gottes - dazu verführt, wie der
traurige Fall von David, Petrus und anderen Heiligen, wovon uns die
Schrift berichtet, beweist.
Artikel 5
Mit
solchen groben Sünden erzürnen sie Gott sehr, fallen in Todesschuld,
betrüben den Heiligen Geist, brechen für eine Zeit die übung des
Glaubens ab, verwunden ihr Gewissen schwer und verlieren bisweilen
für eine Zeit das Bewußtsein der Gnade, bis ihnen, wenn sie durch
ernsthafte Bußfertigkeit auf den Weg zurückkehren, das väterliche
Antlitz Gottes aufs neue erscheint.
Artikel 6
Denn Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, nimmt nach dem
unabänderlichen Vorsatz der Erwählung auch selbst bei traurigen
Sündenfällen den Heiligen Geist nicht ganz von den Seinen und läßt
sie nicht so weit verfallen, daß sie aus der Gnade der Annahme (zu
Kindern) und dem Stand der Rechtfertigung fallen, oder daß sie zum
Tode oder wider den Heiligen Geist sündigen und sich - ganz von ihm
verlassen - in das ewige Verderben stürzen.
Artikel 7
Denn zuerst bewahrt er bei solchen Sündenfällen in ihnen
seinen unvergänglichen Samen, aus dem sie wiedergeboren sind, daß er
nicht vergehe oder hinausgeworfen werde. Zum andern erneuert er sie
gewiß und kräftig durch sein Wort und seinen Geist zur Bekehrung,
auf daß sie über die begangenen Sünden von Herzen und nach Gottes
Sinn betrübt sind, mit einem zerschlagenen Herzen, durch den
Glauben, in dem Blut des Mittlers Vergebung begehren und erlangen,
die Gnade Gottes, die jetzt mit ihnen versöhnt ist, aufs neue
fühlen, sein Erbarmen und seine Treue anbeten und künftig ihre
Seligkeit mit Furcht und Zittern desto eifriger
schaffen.
Artikel 8
So
wird ihnen denn, nicht durch ihr Verdienst oder ihre Kraft, sondern
aus Gottes gnädiger Barmherzigkeit, dies zuteil, daß sie weder ganz
aus dem Glauben und der Gnade fallen noch bis ans Ende in dem Fall
liegen bleiben oder verloren gehen. Dies könnte, soweit es von ihnen
abhängt, nicht nur leicht geschehen, sondern würde auch ohne Zweifel
geschehen. Doch in Hinsicht auf Gott kann es überhaupt nicht
geschehen, weil weder sein Rat geändert noch seine Verheißung
gebrochen, weder die Berufung nach seinem Vorsatz widerrufen noch
die Verdienste, Fürbitte und Bewahrung Christi unwirksam gemacht,
noch auch die Versiegelung des Heiligen Geistes vereitelt oder
vernichtet werden kann.
Artikel 9
Dieser Bewahrung der Auserwählten zur Seligkeit und der
Beharrung der wahren Gläubigen im Glauben können die Gläubigen
selbst gewiß sein, und sie sind es auch nach dem Maß des Glaubens,
durch den sie gewiß glauben, daß sie wahre und lebendige Glieder der
Kirche sind und ewig bleiben werden, daß sie Vergebung der Sünden
und das ewige Leben haben.
Artikel 10
Demnach kommt diese Gewißheit nicht aus irgend einer
besonderen Offenbarung, ohne das Wort Gottes oder außer ihm
ergangen, sondern aus dem Glauben an die Verheißungen Gottes, die er
in seinem Wort so reichlich zu unserem Trost offenbart hat, aus dem
Zeugnis des Heiligen Geistes, der unserem Geist Zeugnis gibt, daß
wir Gottes Kinder und Erben sind (Röm. 8, 16.17), und schließlich
aus dem ernsten und heiligen Streben nach einem guten Gewissen und
guten Werken. Und wenn die Auserwählten Gottes diesen festen Trost,
daß sie den Sieg behalten werden, wie auch dies untrügliche
Unterpfand der ewigen Herrlichkeit in dieser Welt nicht hätten,
wären sie die elendesten unter allen Menschen.
Artikel 11
Indessen bezeugt die Schrift, daß die Gläubigen in diesem
Leben gegen verschiedene Zweifel des Fleisches kämpfen und, schweren
Anfechtungen ausgesetzt, diese völlige Zuversicht des Glaubens und
Gewißheit der Beharrung nicht immer empfinden. Aber Gott, der Vater
alles Trostes, läßt sie nicht über ihr Vermögen versuchen, sondern
er gibt mit der Versuchung auch die Errettung (1. Kor. 10, 13) und
erweckt in ihnen wieder durch den Heiligen Geist die Gewißheit der
Beharrung.
Artikel 12
Diese Gewißheit der Beharrung ist aber so weit davon
entfernt, die wahren Gläubigen stolz und fleischlich sicher zu
machen, daß sie im Gegenteil eine rechte Wurzel der Demut,
kindlichen Furcht, wahrer Gottseligkeit, der Geduld in allem Streit,
inbrünstiger Gebete, der Standhaftigkeit im Kreuz und im Bekennen
der Wahrheit, wie auch einer beständigen Freude in Gott ist. Und die
Betrachtung dieser Wohltat ist ihnen ein Ansporn zu ernsthafter und
fortwährender Übung in der Dankbarkeit und guten Werken, wie aus den
Zeugnissen der Schrift und den Beispielen der Heiligen
hervorgeht.
Artikel 13
Auch wenn die Zuversicht der Beharrung wieder lebendig wird
in denen, die von dem Fall wieder aufgerichtet werden, so erzeugt
dies in ihnen keinerlei tJbermut oder Vernachlässigung der
Gottseligkeit, sondern eine weit größere Sorge, die Wege des Herrn,
die zuvor bereitet sind, mit Fleiß zu beobachten, damit sie - darin
wandelnd - die Gewißheit ihrer Beharrung behalten mögen und sich das
Antlitz des versöhnten Gottes (dessen Anschauung den
Gottesfürchtigen süßer als das Leben, und dessen Verbergung ihnen
bitterer als der Tod ist) wegen des Mißbrauchs seiner väterlichen
Güte nicht wieder von ihnen abwende und sie so in größere
Seelenqualen verfallen.
Artikel 14
Wie
es nun Gott gefallen hat, das Werk seiner Gnade durch die Predigt
des Evangeliums in uns zu beginnen, so erhält, begleitet und
vollendet er es durch dessen Hören, Lesen und Betrachten, wie auch
durch Ermahnungen, Drohungen und Verheißungen und den Gebrauch der
heiligen Sakramente.
Artikel 15
Diese Lehre von der Beharrung der wahren Gläubigen und
Heiligen, wie auch von der Gewißheit dieser Beharrung, die Gott zu
seines Namens Ehre und zum Trost der gottesfürchtigen Seelen so
überreich in seinem Wort offenbart hat und den Herzen der Gläubigen
einprägt, wird zwar vom Fleisch nicht begriffen, vom Satan gehaßt,
von der Welt verspottet, von den Unerfahrenen und Heuchlern
mißbraucht und von den Schwärmern bekämpft, aber die Braut Christi
hat sie immer als einen Schatz von unvergleichlichem Wert sehr
zärtlich geliebt und standhaft verteidigt. Und daß sie dies auch
künftig tue, dafür wird Gott sorgen, gegen den kein Rat gilt und
keine Gewalt etwas vermag. Diesem einigen Gott, Vater, Sohn und
Heiligen Geist sei Ehre und Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
Verwerfung der
Irrtümer
Nach Darlegung der rechtgläubigen Lehre verwirft die Synode
die Irrtümer derer:
1.
Die
lehren: "Die Beharrung der wahrhaft Gläubigen sei keine Frucht der
Erwählung oder eine Gabe Gottes, durch den Tod Christi erworben,
sondern eine Bedingung des Neuen Bundes, die der Mensch vor seiner
(wie sie sagen) entscheidenden Erwählung und Rechtfertigung durch
seinen freien Willen erfüllen muß." Denn die Heilige Schrift
bezeugt, daß sie aus der Erwählung folge und durch die Kraft des
Todes, der Auferstehung und Fürbitte Christi den Erwählten geschenkt
werde. Röm. 11, 7: Die Auserwählten aber erlangten es; die andern
sind verstockt. Ebenso Röm. 8, 32—35: Welcher auch seines eigenen
Sohnes nicht hat verschonet, sondern hat ihn für uns alle
dahingegeben; wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? Wer
will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der da
gerecht macht. Wer will verdammen? Christus ist hier, der gestorben
ist, ja vielmehr, der auch auferweckt ist, welcher ist zur Rechten
Gottes und vertritt uns. Wer will uns scheiden von der Liebe
Gottes?
2.
Die
lehren: "Gott versehe zwar den gläubigen Menschen mit genug Kräften,
um zu beharren, und sei bereit, sie in ihm zu bewahren, wenn er
seine Pflicht tue, aber wenn nun auch alles Mögliche, was zur
Ausdauer im Glauben nötig ist und was Gott als Mittel zur Erhaltung
des Glaubens gebrauchen will, getan sei, hänge es doch immer noch
von dem Belieben des Willens ab, ob er beharre oder nicht." Denn
diese Ansicht offenbart einen deutlichen Pelagianismus und macht die
Menschen, während er sie frei machen will, zu Räubern der Ehre
Gottes, und dies ist im Widerspruch zu dem einhelligen Zeugnis der
evangelischen Lehre, die dem Menschen allen Grund zum Selbstruhm
nimmt und das Lob dieser Wohltat allein der Gnade Gottes zuschreibt,
und zu dem Apostel, der bezeugt: Der wird euch auch fest erhalten
bis ans Ende, daß ihr unsträflich seid auf den Tag unseres Herrn
Jesus Christus (1. Kor. 1, 8).
3.
Die
lehren: "Die wahrhaft Gläubigen und Wiedergeborenen könnten nicht
nur von dem rechtfertigenden Glauben und auch von der Gnade und
Seligkeit völlig und endgültig abfallen, sondern sie fielen auch
tatsächlich nicht selten von ihr ab und gingen für ewig verloren."
Denn diese Meinung macht die Gnade, Rechtfertigung, Wiedergeburt und
beständige Bewahrung Christi kraftlos, gegen die klaren Worte des
Apostels Paulus in Röm. 5, 8.9: Gott aber erweist seine Liebe gegen
uns darin, daß Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder
waren. Um wieviel mehr werden wir durch ihn bewahrt werden vor dem
Zorn, nachdem wir jetzt durch sein Blut gerecht geworden sind. Und
gegen den Apostel Johannes in 1. Joh. 3, 9: Wer aus Gott geboren
ist, der tut nicht Sünde, denn was er von Gott empfangen hat, das
bleibt in ihm; und kann nicht sündigen, denn er ist von Gott
geboren. Und gegen die Worte Jesu Christi in Joh. 10, 28.29: Und ich
gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und
niemand wird sie aus meiner Hand reißen. Der Vater, der sie mir
gegeben hat ist größer als alles, und niemand kann sie aus meines
Vaters Hand reißen.
4.
Die
lehren: "Die wahrhaft Gläubigen und Wiedergeborenen könnten die
Sünde zum Tode oder wider den Heiligen Geist begehen." Weil derselbe
Apostel Johannes, nachdem er im fünften Kapitel seines ersten
Briefes in Vers 16 und 17 diejenigen, die zum Tode sündigen, erwähnt
und für sie zu beten verboten hat, sogleich in Vers 18 hinzufügt:
Wir wissen, daß, wer von Gott geboren ist, der sündigt nicht
(nämlich mit solcher Sünde), sondern wer von Gott geboren ist, den
bewahrt er und der Arge wird ihn nicht antasten.
5.
Die
lehren: "Man könne in diesem Leben keine Gewißheit der zukünftigen
Beharrung haben ohne besondere Offenbarung." Denn durch diese Lehre
wird den wahrhaft Gläubigen der feste Trost in diesem Leben genommen
und der Zweifel der päpstlich Gesinnten wieder in die Kirche
eingeführt, während doch die Heilige Schrift die Gewißheit immer
wieder nicht aus einer besonderen und außergewöhnlichen Offenbarung,
sondern aus den Kennzeichen, die den Kindern Gottes eigen sind, und
aus den sehr zuverlässigen Verheißungen Gottes ableitet; wie
besonders der Apostel Paulus in Röm. 8, 39 sagt: Keine Kreatur kann
uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm
Herrn. Und Johannes: Wer seine Gebote hält, der bleibt in ihm, und
er in ihm. Und daran erkennen wir, daß er in uns bleibt: an dem
Geist den er uns gegeben hat (1. Joh.3,24).
6.
Die
lehren: "Die Lehre von der Beharrung und der Gwißheit der Seligkeit
sei ihrer Natur und ihrem Gehalt nach ein Ruhekissen des Fleisches
und für die Gottesfurcht, die guten Sitten, Gebete und andere
heilige übungen schädlich; dagegen sei es lobenswert, daran zu
zweifeln." Denn diese zeigen, daß sie die Kraft der göttlichen Gnade
und die Wirkung des Heiligen Geistes, der in uns wohnt, nicht kennen
und widersprechen dem Apostel Johannes, der in seinem ersten Brief
mit klaren Worten das Gegenteil behauptet: Meine Lieben, wir sind
nun Gottes Kinder; und es ist noch nicht erschienen, was wir sein
werden. Wir wissen aber, wenn es erscheinen wird, daß wir ihm gleich
sein werden; denn wir werden ihn sehen, wie er ist. Und ein
jeglicher, der solche Hoffnung hat zu ihm, der reinigt sich,
gleichwie auch er rein ist (1. Joh. 3, 2.3). Sie werden außerdem
durch das Beispiel der Heiligen sowohl des Alten als auch des Neuen
Testaments widerlegt, die, obwohl sie ihrer Beharrung und Seligkeit
gewiß waren, doch in den Gebeten und anderen Übungen der
Gottseligkeit beständig geblieben sind.
7.
Die
lehren: "Der Glaube derer, die nur eine Zeitlang glauben,
unterscheide sich von dem rechtfertigenden und seligmachenden
Glauben nicht weiter als nur durch seine Dauer." Denn Chritus selbst
macht außerdem in Matth. 13, 20ff. noch einen dreifachen Unterschied
deutlich zwischen denen, die nur eine Zeitlang glauben und den
wahrhaft Gläubigen, wenn er sagt, jene nähmen den Samen in eine
steinige Erde auf, diese in eine gute Erde oder ein gutes Herz; jene
seien ohne Wurzel, diese hätten eine feste Wurzel; jene trügen keine
Früchte, diese aber brächten in verschiedenem Maße in Beständigkeit
und Ausdauer ihre Frucht.
8.
Die
lehren: "Es sei nicht ungereimt, daß ein Mensch nach dem Verlust
seiner ersten Wiedergeburt aufs neue, ja öfters, wiedergeboren
werde." Denn diese leugnen mit solcher Lehre die Unverderblichkeit
des Samens Gottes, durch den wir wiedergeboren werden. Das steht im
Widerspruch zu dem Zeugnis des Apostels Petrus: Als die da
wiedergeboren sind nicht aus vergänglichem, sondern aus
unvergänglichem Samen (1. Petri 1, 23).
9.
Die
lehren: "Christus habe an keiner Stelle dafür gebetet, daß die
Gläubigen unfehlbar im Glauben beharrten." Denn sie widersprechen
Christus selbst, der zu Petrus sagt: Ich aber habe für dich gebeten,
daß dein Glaube nicht aufhöre (Luk. 22, 32), und dem Evangelisten
Johannes, der bezeugt, daß Christus nicht nur für die Apostel,
sondern auch für alle, die durch ihre Predigt glauben würden,
gebetet hat: Heiliger Vater, erhalte sie in deinem Namen; und: Ich
bitte nicht, daß du sie von der Welt nehmest, sondern daß du sie
bewahrest vor dem Bösen (Joh. 17, 11.15.20).